Die Aberkennung eines Doktortitels ist auch noch nach über 30 Jahren möglich

Am 20.03.2014 befasste sich das Verwaltungsgericht Düsseldorf (Az. 15 K 2271/13) erneut mit der Frage, ob ein Doktortitel rechtmäßig zurückgenommen wurde.

Sachverhalt: Mehrzahl von plagiierenden Vorgehensweisen lassen auf bestimmte Systematik schließen

Die Klägerin wendet sich mit der Klage gegen die Ungültigkeitserklärung ihrer Doktorarbeit als Promotionsleistung und die Rücknahme ihres daraus erfolgten Doktortitels.

Sie absolvierte ihr Studium der Erziehungswissenschaften (Hauptfach) und der Philosophie (Nebenfach) und ihre anschließende Promotion an der beklagten Universität. Die Philosophische Fakultät dieser Universität händigte die Promotionsurkunde am 09.01.1981 nach Drucklegung und Veröffentlichung der Doktorarbeit an die Klägerin aus.

Im Mai 2012 wurde der beklagten Universität jedoch anonym Materialzusammenstellung zugesandt, aus der sich ergeben sollte, dass die Klägerin in ihre Doktorarbeit getäuscht haben soll. Der Promotionsausschluss der Philosophischen Fakultät beschloss daraufhin die Erstellung eines Gutachtens zu beauftragen und diesem Verdacht nachzugehen.

Der 75 Seiten umfassende Bericht ergab, dass die Doktorarbeit Textstellen und Passagen enthält, die als nicht eigenständige Leistung der Klägerin zu werten sind. Diese Analyse sei auf eine synoptische Gegenüberstellung von Vergleichstexten zurückzuführen. Es gelang dem Gutachter die Feststellung, dass prägnante Merkmale einer plagiierenden Vorgehensweise nicht nur vereinzelt, sondern in einer Mehrzahl von Fällen und in einer Weise zu erkennen seien, die auf eine bestimmte Systematik schließen lassen würden.

Der Promotionsausschuss räumte der Klägerin die Möglichkeit der Stellungnahme zu. Diese wurde anhand eines anwaltlichen Schreibens wahrgenommen. Es wurde die fehlende Befassung des für die Frage der Entziehung des Doktorgrades allein zuständigen Fakultätsrates, sowie die Sachkunde des Gutachters für die Prüfung des Plagiatsverdachts beanstandet und die Ansicht vertreten, dass die dargestellten Mängel kein wissenschaftliches Fehlverhalten dokumentieren.

Man gelangte jedoch zum einstimmigen Ergebnis, dass die Stellungnahme der Klägerin nicht ausreichte um die erhebliche Zahl von gravierenden Verstöße gegen die Regel der korrekten wissenschaftlichen Arbeit und das erkennbare Muster unzureichender Kennzeichnung von Quellzitaten und der Übernahme der wissenschaftlichen Rezeptionsleistungen Dritter aus dem Weg zu räumen.

Die Klägerin erhob daraufhin eine Anfechtungsklage gegen die Entscheidung des Promotionsausschusses, mit dem die Doktorarbeit als schriftliche Promotionsleistung der Klägerin für ungültig erklärt und unter Berücksichtigung dessen der Klägerin der verliehene Doktorgrad zurückgenommen wurde.

Entscheidung: Verzicht auf Ungültigkeitserklärung wegen einem Zeitablauf von 30 Jahren

Ein Plagiat ist die wörtliche und gedankliche Übernahme fremden geistigen Eigentums ohne entsprechende Kenntlichmachung der Quellen und Literatur. Die Anforderungen an diese Kenntlichmachung ergeben sich ausschließlich aus dem Gebot der wissenschaftlichen Redlichkeit. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf stellt nochmals fest, dass gegebenenfalls im Tatsächlichen abweichende Handhabungen von diesem Gebot rechtlich unerheblich sind.

Die Argumentation der Klägerin, es habe sich um selbstverständliches Allgemeinwissen der Erziehungswissenschaften gehandelt, ändert nach Ansicht des Gerichts nichts an der Notwendigkeit der Kenntlichmachung.

Ebenfalls sei aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden, dass der Fakultätsrat entschieden hat, wegen des Zeitablaufs von über 30 Jahren seit Beendigung des Promotionsverfahrens auf eine Ungültigkeitserklärung nicht zu verzichten und damit kein Gebrauch einer möglichen Verwirkung zu nehmen.

Die beklagte Universität hat von den Täuschungsvorwürfen erstmals im Mai 2012 erfahren und sich daraufhin umgehend mit der Aufklärung des Sachverhalts befasst. Anhaltspunkte für ein früheres Verhalten des Promotionsausschusses, aus dem die Klägerin darauf schließen und vertrauen konnte, dass nicht mehr gegen sie eingeschritten werden würde, sind nicht ersichtlich.

Fazit: Eine Doktorarbeit ist auf Nachhaltigkeit angelegt und unterliegt daher keiner zeitlichen Verwirkung

Dieses Urteil zeigt deutlich den Kernzweck einer Doktorarbeit. Es ist eine wissenschaftliche Arbeit, welche auf Nachhaltigkeit angelegt ist und eine zeitliche Eingrenzung der fachlichen Bedeutung ist daher nicht möglich.

Damit kann eine Doktorarbeit auch dann noch sanktioniert werden, wenn die Täuschungshandlung bereits langfristig zurückliegt. Es ist auf den Zeitpunkt der nachträglichen Aufdeckung der Täuschung abzustellen.

 

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